Vorbemerkung
Patientinnen mit Brustkrebs werden zunächst anhand der vorliegenden Anamnese, der bildgebenden Diagnostik und Histologie (im Verlauf der Behandlung auch mehrmals) im Mamma-Board besprochen. Hier kommt das Gremium dann zu Leitlinien-gerechten, auf den Individualfall zugeschnittenen Behandlungsempfehlungen. Im folgenden werden mögliche Behandlungs-Optionen seitens der Strahlenbehandlung dargestellt.
Externe Radiotherapie
Brusterhaltende Therapie

- Externe Bestrahlung nach brusterhaltender Operation
Hier ist grundsätzlich die externe Bestrahlung der Brust erforderlich, um das Rezidivrisiko entscheidend zu senken (meist gemessen über einen 10-Jahres-Zeitraum). Ein messbarer Überlebensgewinn ist mit dieser Strahlenbehandlung verbunden. Zunächst wird mit 28 täglichen Fraktionen zu 1,8 Gy die gesamte Brust bis zu einer Gesamtdosis von 50,4 Gy bestrahlt. Danach folgt die 8-malige, kleinvolumige Dosisergänzung des ehemaligen Tumorbetts. Diese sog. Boost-Bestrahlung kann in Einzelfällen (bei Vorliegen spezieller Risikofaktoren, Alternative zur Mastektomie) als Brachytherapie mit der Multikatheter-Technik durchgeführt werden (siehe unten).
Mastektomie (Radikaloperation)

- Externe Bestrahlung der Brustwand inklusive der parasternalen Lymphknoten nach Mastektomie
Trotz der radikalen Operation ist bei bestimmten Risikofaktoren, wie befallenen axillären Lymphknoten, ausgedehntem und schlecht differenziertem Tumor die Bestrahlung der Brustwand (Abbildung) indiziert. Von der Bestrahlung der Brustwand und in manchen Fällen der Lymphabflusswege geht ebenso ein nachgewiesener Überlebensgewinn aus.
Bestrahlung der Lymphabflusswege
Ohne Befall der axillären Lymphknoten oder des Wächter-lymphknoten ist eine Bestrahlung von Lymphabflüssen selten indiziert. Dies ist bei einem medial sitzenden Tumor in Form der Mitbehandlung der sog. parasternalen Lymphknotenkette der Fall. Besonderes Augenmerk wird hier auf die Schonung von Herz und Lunge gelegt.
Brachytherapie des Mammakarzinoms

- Schematische Darstellung der interstitiellen Brachytherapie eines oben zwischen den Quadranten gelegenen Tumors
Brachytherapie bezeichnet die Bestrahlung über eine kurze Distanz, d.h. die strahlende Quelle wird dabei direkt über zuvor operativ gelegte, winzige Plastikschläuche in die zu behandelnde Region eingebracht und verbleibt dort eine kurze Zeit. Im Hause praktizieren wir die temporäre HDR-Brachytherapie postoperativ bei einem In-Brust-Rezidiv und als interstitielle Boost-Bestrahlung bei der brusterhaltenden Therapie des Mammakarzinoms. Eine alleinige interstitielle Brachytherapie nach brusterhaltender Operation eines ?Niedrig-Risiko-Mammakarzinoms? ist derzeit nur in Studien möglich.
FAQ zur Bestrahlung beim Brustbrebs
Wird meine Haut "verbrannt"?
Ihre Haut kann allenfalls trocken und später gegen Ende der Behandlung (ähnlich wie bei einem Sonnenbrand) rot werden. Einmal pro Woche werden Sie vom Arzt untersucht und entsprechende Behandlungsempfehlungen erhalten. Wichtig ist, dass die Nebenwirkungen an der Haut 14 Tage nach Behandlungsende zurückgebildet sind.
Kann ich mich duschen?
Natürlich, die früher gepflegte Doktrin, dass an die bestrahlte Haut kein Wasser kommen darf, ist überholt. Wichtig ist, dass mechanische Irritationen, wie enge, scheuernde Kleidung, Schweiß, Schmutz, aber auch Hitze (Fön) von der Haut ferngehalten werden. Sie können also die bestrahlte Haut mit lauwarmem Wasser ohne Seife und Deo kurz abduschen, ohne eine stärkere Strahlenreaktion zu provozieren. Die Markierungsstriche für die Strahlenbehandlung müssen erhalten bleiben.
