Medikamentöse Tumortherapie

Falls der Onkologe/die Onkologin eine Behandlung mit Medikamenten (z.B. Hormonbehandlung, Chemotherapie, Antikörpertherapie, neue biologische Medikamente) empfiehlt, werden wir Sie zu einem Gespräch einladen. Wir erklären und begründen diesen Vorschlag. Es ist für uns selbstverständlich, dass Sie aktiv an den Entscheidungen teilnehmen. Wir informieren Sie über den Ablauf der Therapien. Je nach Situation, nach Art der verordneten Medikamente und nach Ihrem Befinden kommt eine ambulante oder eine stationäre Behandlung in Frage.

Es ist uns ein grosses Anliegen, dass Sie genau Bescheid wissen über die zu erwartenden Wirkungen und Nebenwirkungen der Medikamente. Wir werden mit Ihnen zusammen rechtzeitig die Prophylaxemöglichkeiten angehen und wenn nötig Massnahmen einleiten, um Ihr Wohlbefinden so gut als möglich während dieser Zeit zu erhalten.

Während der ganzen Behandlungszeit werden Sie von Ihrer Onkologin/Ihrem Onkologen sowie von spezialisierten Pflegenden betreut. Auch wenn Sie nach der Therapie wieder zuhause sind, bleiben wir Ihre Ansprechspersonen und Sie dürfen uns jederzeit telefonisch kontaktieren.

Hormonelle Therapie

Tumorzellen reagieren auf Hormonentzug.

Brustkrebs wächst häufig hormonabhängig: Hormone - genauer: das weibliche Geschlechtshormon Östrogen - regen die Krebszellen zum Wachstum an. Dies ist zu erwarten, wenn in den Zellen Hormonrezeptoren nachgewiesen wurden, was bei rund drei Viertel aller bösartigen Tumoren der Brustdrüse der Fall ist. Dann lässt sich das Wachstum der Krebszellen durch die Gabe entsprechend entgegengesetzt wirkender Hormone, so genannter "Anti-Hormone", bremsen.

Enthalten die Tumorzellen keine Hormonrezeptoren, profitieren betroffene Frauen allerdings nicht von einer entsprechenden Behandlung.

Wird die Hormontherapie ergänzend zur Operation, also adjuvant eingesetzt, dauert sie mehrere Jahre.

Patientinnen mit Metastasen erhalten eine Hormontherapie, solange sie einen Nutzen davon haben.

Chemotherapie

Wie läuft eine Chemotherapie ab?

In den letzten Jahren wurden die Medikamente zur Bekämpfung von Übelkeit und Erbrechen während einer Chemotherapie deutlich verbessert. Daher ist heute eine ambulante Durchführung in den meisten Fällen möglich.

Der Abstand zwischen den Chemotherapie-Gaben beträgt zwischen zwei und vier Wochen (2-, 3- oder 4-Wochen-Zyklus). In diesen Zwischenzeiten muss vor allem das Blutbild durch Blutabnahme kontrolliert werden. Diese Kontrollen können auch durch den jeweiligen Hausarzt erfolgen, oder im Rahmen eines Kurzurlaubes - wenn denn notwendig - durch einen Arzt vor Ort. In Zeiten von Telefon und Fax sind Sie mobil und wir für Sie gut erreichbar. Die Ergebnisse der Untersuchung sowie Angaben zu ihrem Allgemeinbefinden und zu eventuellen Gewichtsveränderungen sind die Parameter, die die individuelle Anpassung der Chemotherapie an Ihr aktuelles Befinden ermöglichen.

Welche Nebenwirkungen treten auf?

Für die Bekämpfung von Brustkrebs werden - je nach Art des Tumors - unterschiedliche Medikamente kombiniert eingesetzt. Da auch die gesunden Körperzellen in ihren Zellteilungsvorgängen beeinflusst werden, treten verschiedene Nebenwirkungen auf. Im Gegensatz zur Tumorzelle hat die gesunde Zelle aber Reparaturmäglichkeiten, so dass die so begründeten Nebenwirkungen nach Absetzen der Therapie rasch abklingen. Je nach Kombination der Chemotherapie-Medikamente sind verschiedene Organe mehr oder weniger stark betroffen.

Veränderungen im Blutbild

Die Zahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten), die für Ihre Infektabwehr zuständig ist, kann absinken. Falls die Leukozytenzahl zu stark abfällt, kann in Einzelfällen ein Wachstumsfaktor eingesetzt werden. Dieser fördert die frühzeitigere Freisetzung von Blutvorläuferzellen und Mutterzellen, sogenannten "Stammzellen?, aus dem blutbildenden Knochenmark. Als vorübergehende Begleiterscheinungen können Knochen- und Muskelschmerzen, in seltenen Fällen auch allergische Reaktionen hervorgerufen werden, die dann ihrerseits behandelt werden müssen.

Sie selbst sollten banale Infekte besonders sorgfältig beachten. Sie sollten daher Infektionsgefahren , größeren Menschenansammlungen oder Menschen mit Erkältungskrankheiten , aus dem Wege gehen.

Ihre "Sauerstoff-Transporter?, die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), können ebenfalls reduziert werden. Bei Ihnen äußert sich dies durch Müdigkeit und Mattheit. Durch Eisenpräparate, eisen reiche Ernährung und gegebenenfalls auch durch den Einsatz bestimmter Wachstumsfaktoren oder Blutkonserven können die Begleiterscheinungen gemildert werden. Sie selbst sollten möglichst regelmäßig viel frische Luft tanken und sich Ruhepausen gönnen. Planen Sie wichtige Termine an Tageszeiten, an denen Sie sich besonders aktiv fühlen.

Die Produktion der Blutplättchen (Thrombozyten), die Bestandteil unserer Blutgerinnung sind, kann in seltenen Fällen beeinträchtigt sein. Medikamentös stehen zur Zeit keine Gegenmittel zur Verfügung. Bei unumgänglichen Operationen oder extremem Absinken werden Thrombozyten-Konzentrate von Blutspendern eingesetzt. Sie selbst sollten grundsätzlich versuchen,Verletzungsgefahren aller Art zu vermeiden.

Beeinträchtigung der Haarwurzeln

Nicht bei jeder Chemotherapie, aber bei vielen Kombinationen von Zytostatika werden die Haarwurzeln so geschädigt, dass die Haare dünner werden und dann komplett ausfallen. Nach Ende der Chemotherapie wachsen die Haare in kurzer Zeit nach. Im Therapieplanungsgespräch wird besprochen, inwieweit eine frühzeitige Anfertigung einer Perücke sinnvoll ist. Die Beratung in einem Haarstudio gibt hier oft wertvolle zusätzliche Hinweise.

Die Kosten für einen Haarersatz übernehmen die Krankenkassen zum größten Teil - im Einzelfall sollten Sie sich aber vorher erkundigen. Je nach Jahreszeit und persönlichem Geschmack kann "Frau" aber auch mit verschiedenen Kopfbedeckungen zurecht kommen.

Veränderung an Schleimhäuten

Durch Veränderungen an der Magen- und Darmschleimhaut kann es zu Übelkeit und Erbrechen sowie Durchfällen kommen. Moderne Medikamente verhindern dies bei einem Großteil der Patientinnen durch die prophylaktische Einnahme.

Gelegentlich bleibt auch die Mundschleimhaut nicht verschont: Wunde Stellen im Mund und der Speiseröhre erschweren die Nahrungsaufnahme. Lokale Medikamente wie Spülungen und Lutschtabletten verschaffen in solchen Situationen Abhilfe.

Sie selbst können sich das Leben in dieser Phase mit einigen Maßnahmen erleichtern:

  • Verteilen Sie Ihre Mahlzeiten auf viele kleine Portionen und kauen Sie langsam und gründlich.
  • Vermeiden Sie allzu fette und süße Speisen sowie besonders blähende oder scharfe Zusätze.
  • Trinken Sie mindestens 2 Liter pro Tag, um Blase und Niere gut zu spülen und die Ausscheidung der Medikamente zu unterstützen.
  • Betreiben Sie eine regelmäßige und gründliche Mundhygiene - häufiges Zähneputzen mit einer weichen Zahnbürste und Gurgeln mit milden Mundspülungen.

Hormonelle Veränderungen

Bei vielen Frauen setzt während der Chemotherapie die Menstruation aus und kann möglicherweise ganz ausbleiben, so dass typische Wechseljahreserscheinungen frühzeitig auftreten können. Trotzdem sollte eine sichere Verhütung gewährleistet sein, damit der Eintritt einer Schwangerschaft während der Therapie vermieden wird. Fragen Sie uns oder Ihren behandelnden niedergelassenen Frauenarzt zu diesem Thema!

Seltene Nebenwirkungen

In Einzelfällen können durch Zytostatika auch periphere Nerven geschädigt werden. Dies äußert sich zum Beispiel in einem Kribbeln in den Hand- und/oder Fußsohlen.

Gelegentlich beobachtet man auch Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut, die durch antiallergische Mittel gut bekämpft werden können.

Einzelne Medikamente können bei sehr hoher Konzentration die Herzleistung oder den Herzmuskel beeinträchtigen. Am gesunden Herzen wird dies durch die üblichen Therapiedosierungen nicht beobachtet, unter Umständen aber am vorgeschädigten Herzen. Werden diese Medikamente eingesetzt, wird die Unbedenklichkeit durch Zusatzuntersuchungen abgeklärt.

Teilen Sie Ihren betreuenden Ärzten und Schwestern mit, wie Sie die Chemotherapie vertragen. Oft kann der Einsatz eines zusätzlichen Medikamentes oder eine Dosisänderung Ihre Lebensqualität in dieser Zeit entscheident verbessern.